Blick zurück: Das Eidgenössische Reformationsjubiläum 1819

Dienstag, April 2, 2019 - 09:16

Das „Zwingli-Jahr“ wurde 1719 zum ersten Mal als Eidgenössisches Reformationsjubiläum bestimmt. Diese Feier hatte anscheinend eine nachhaltige Wirkung, denn 100 Jahre später wurde die „Dritte Säkular-Feyer“ wieder gemeinsam begangen. Im Kirchenbuch Reigoldswil finden wir folgenden Eintrag des damaligen Pfarrers Carl Ulrich Stückelberger:

 

Reformations-Jubilaeum am 3ten Januar 1819
Nachdem im Jahr 1818 vielfältig der Wunsch ausgesprochen worden war, daß in den ersten Tagen des kommenden Jahres, wie im Jahre 1719 das Jubiläum der Kirchen-Reformation unseres Kantons gefeiert werden möchte, und dieser Gegenstand auch an den Kapitelssitzungen der Stadt- und Landgeistlichkeit behandelt worden war, erließ unterm 26ten October 1818 S: Hochwürden Herr Antistes Falkeisen ein Umlaufschreiben an die Herren Dekane zu Handen der Kapitel, dies zu halten:

Ueber das, am 3. Jan. 1819 laut Erkenntniß unsrer väterlichen Obrigkeit, zur Wiedergedächtniß der Einführung der Reformation unserer Kirche zu haltende Dankfest, seyen einstweilen folgende Verfügungen getroffen worden:

  1.  Es solle ohne allen Prunk und Kontroversen, als den jetzigen Zeiten nicht anpassend, gefeyert werden.
  2.  Man solle sich bestreben, die vorzüglichsten und wesentlichsten Vortheile der Reformation für die Geistliche Kirche überhaupt, selbst für die katholische, auszuheben.
  3.  Es soll eine kurze Geschichte der Baselschen Reformation gedruckt und in allen Gemeinen zu Stadt und Land verbreitet werden.
  4.  Es sollen ferner Gebete zum Gebrauch beym öffentlichen Gottesdienst am Reformationsfeste gedruckt werden.
  5.  Auch werde man für ein, zu demselben passendes Lied sorgen.
     
  6.  In den Landkirchen sollen 2 Gottesdienste gehalten werden; des Morgens eine Predigt. Für die Morgenpredigt hat das Stadt-Ministerium folgende 3 Texte zur Auswahl vorgeschlagen:
    - Röm. 1, 16. „Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht“ pp
    - 1 Petr. 3, 15. „Seyd allerzeit bereit zur Verantwortung“ pp

    - Apoc. 3, 11. „Halte was du hast, daß Niemand“ pp
     
  7. Der Nachmittagsgottesdienst soll vornämlich für die Jugend eingerichtet werden; alle Kinder der Pfarrgemeine sollen dazu angehalten werden; es steht frey, eine festliche Rede an sie, oder eine Kinderlehre zu halten. – Nicht unschicklich wäre, wenn Bibeln, Neue Testamente und die Reformationsgeschichte unter die sittsamsten und fleissigsten verteilt würden.
     
  8.  Für die Nachmittagspredigten in der Stadtgemeine sind folgende 3 Texte zur Auswahl vorgeschlagen worden:
    - Col. 2, 6.7. „Wie ihr nun angenommen habt den Herrn Christum Jesum“ pp
    - 1 Kor. 16, 13.14. „Wachet, stehet im Glauben, seyd männlich“ pp
    - Joh. 17, 17. „Heilige sie in Deiner Wahrheit“ pp

    (Das Fest für die Jugend ward in der Stadt Sonntags den 10ten Jan. begangen. —)

Es folgt dann eine Beschreibung der Feier in Reigoldswil sowie eine Liste sämtlicher daran beteiligten Kinder.

Die komplette Transkription mit Anmerkungen der Feier in Reigoldswil können Sie in diesem pdf nachlesen: Reformationsjubiläum 1819

Pfarrer Markus Lutz aus Läufelfingen hat zum Sekular-Fest der Schweizerischen Kirchen-Reformation zu Titus, 2,1 «Du aber rede, wie sich’s ziemet, nach der heilsamen Lehre» gepredigt. Diese wurde 1819 von der Schweighauser’schen Buchdruckerey gedruckt und 2014 von Remigius Suter vollständig transkribiert: Predigt M. Lutz 1819